Gesundheitsthemen - Woher stammt das Covid-19 Virus?

Räumen wir das Wichtigste gleich zu Beginn aus dem Weg: Mit der grössten Wahrscheinlichkeit ist dieses Virus nicht von Menschen künstlich geschaffen worden.

Gegen die Theorie, wonach Sars-CoV-2 eine menschen­gemachte Biowaffe sein soll, arbeitet eine Armada an Wissenschaftlerinnen seit Monaten an. So zeigt unter anderem eine im Magazin «Nature» publizierte Studie des Immunologen Kristian Andersen und seines Teams am Scripps-Forschungs­institut: Die stachel­förmigen Proteine an der Aussen­wand des Virus, die sogenannten Spikes, binden es nicht optimal an die Wirtszelle. «Das ist ein starker Beweis dafür, dass Sars-CoV-2 nicht das Produkt einer gezielten Manipulation ist», schreiben die Forscher. Ein Team an der Universität von Ohio kommt zum selben Schluss: Das Genom des Virus zeige keine Hinweise auf eine genetische Modifizierung. Und auch das Direktorium der Nationalen Geheimdienste der USA schreibt: «Die Geheimdienst-Community geht mit dem breiten wissenschaftlichen Konsens überein, dass das Covid-19-Virus nicht menschen­gemacht oder genetisch modifiziert ist.»

Also, woher kommt das Ding?

Bisher deutet vieles auf Fledermäuse als wahrscheinlichsten Ursprung von Sars-CoV-2 hin. Das Virus-Genom entspricht zu 96 Prozent jenem von RaTG13, einem für Menschen ungefährlichen Erreger, den Forscher 2013 bei Fleder­mäusen identifiziert haben. Wenn auch die 4 Prozent Unterschied von wesentlicher Bedeutung sind – aber dazu später.

Virologinnen gehen nun davon aus, dass das Virus über einen Zwischen­wirt auf den Menschen übergesprungen ist. Wo dieser Übersprung geschah, ist nicht vollständig geklärt. Da ein grosser Teil der ersten offiziell Erkrankten in China im Dezember 2019 Kontakt zum Fischmarkt in Wuhan gehabt hat, war er in den Fokus von Behörden und Wissenschaft gerückt. Jüngere Berichte zeigen jedoch, dass das Virus möglicherweise bereits im November zirkulierte. Stammte das Virus also gar nicht vom Fischmarkt? Auf der Suche nach dem ersten Erkrankten, dem Patienten 0, wurde rasch eine neue Theorie geboren: Das Virus ist einem Labor in Wuhan entsprungen.

In Wuhan stehen zwei Labore, in denen an Corona­viren geforscht wird: Das Wuhan Center for Disease Control and Prevention und das Institut für Virologie, kurz WIV. Ersteres befindet sich in der Schutzstufe 2 für Laboratorien, die an biologischen Stoffen forschen. Letzteres – als einziges Labor in China – in der Schutzstufe 4, der höchsten überhaupt. Das WIV hatte unter anderem am Fledermaus­erreger RaTG13 geforscht.

Ist bei den Arbeiten etwas schiefgelaufen? Konnte das Virus im Labor auf eine Forscherin überspringen und hat diese es in die Welt getragen?

Mindestens zwei wichtige Argumente sprechen nun gegen die Labor-Theorie:

  1. Sars-CoV-2 entspricht zu 96 Prozent dem Fledermaus­virus RaTG13, an dem in Wuhan geforscht wurde. Das klingt nach viel, in Wahrheit sind die 4 Prozent Unterschied jedoch wesentlich. Gemäss dem Virologen Edward Holmes von der Universität Sydney kommen sie einer evolutionären Entwicklung von mindestens 20 Jahren gleich. Will sagen: Die beiden Viren liegen Jahrzehnte auseinander. Und RaTG13 ist damit nicht der, wenn man so will, direkte Vorfahre von Sars-CoV-2.

  2. Es gibt bis heute auch keinen Beweis dafür, dass die Forscher im Institut für Virologie in Wuhan an einem Virus geforscht haben, dessen Genom sich mit dem von Sars-CoV-2 deckt. Forscher des Instituts und die chinesischen Behörden haben das bestätigt. Auch zahlreiche ausländische Kolleginnen, die das Labor kennen, sehen keinen Grund für eine solche Annahme.

Das alles macht die Labor-Theorie zwar nicht unmöglich, aber doch sehr unwahrscheinlich.